Kategorie: Impulse

Fastenzeit – Gewohnheiten überdenken, Innehalten zum Neustart

Fastenzeit – Gewohnheiten überdenken, Innehalten zum Neustart

Früher als Kind war die Fastenzeit für mich schrecklich: Keine Süßigkeiten von Aschermittwoch bis Ostern. Ich gebe zu, die ersten Tage sind für mich immer noch eine Herausforderung, aber dann geht’s immer besser.

In den letzten Jahren habe ich mich davon gelöst, das als Verzicht zu empfinden. Vielmehr ist die Fastenzeit für mich ein Überdenken von Gewohnheiten, die sich im Lauf des Jahres angehäuft haben, ja, oft auch ein Überdenken der Arbeitsbelastung – Was wurde zum Ballast, was will neu oder anders werden?

„Ich dreh mich im Kreis, meine Gedanken rennen. Ich sollte am besten an zwei Orten gleichzeitig sein, jeder will was von mir, ich weiß nicht mehr, wo hinten und vorne ist. Kann mich bitte jemand mal anhalten?“ So ähnlich hört es sich doch immer wieder an.

Wir sind oft so verplant und von unserem Alltag gefesselt, dass wir dann mit unverhofft geschenkter Zeit kaum was anzufangen wissen. Und wie klingen da die Worte aus dem Buch Kohelet, dass alles seine Zeit hat:

Das Geborenwerden und das Sterben, das Pflanzen und das Ernten, das Bauen und das Niederreißen, das Weinen und Lachen, das Klagen und das Tanzen … ja, auch das Arbeiten und das Ausruhen.

Vielleicht schaffen wir es ja, ganz bewusst in dieser Fastenzeit wenigstens 10 Minuten am Tag Zeit zu haben für uns selbst: Um einem Gedanken nachzuhängen, eine gute CD zu hören, ein tolles Buch zu lesen, im Zimmer einfach so zu tanzen, die Natur betrachten, bewusst nichts tun, oder auch Zeit für ein Gebet zu haben, um innerlich neue Kraft zu bekommen.

Zehn Minuten für dich, für Gott – ich wünsche es uns allen.

(Andreas Greis)

Weihnachten – Gott in Kontakt mit uns

Weihnachten – Gott in Kontakt mit uns

Inmitten der Coronapandemie leiden wir alle unter den Kontaktbeschränkungen, die zwar zum gegenseitigen Schutz notwendig sind, uns zugleich jedoch im Lebensnerv treffen. Wir spüren im Mangel, wie sehr wir einander brauchen und wie sehr uns Kontakte zu lieben Menschen fehlen. Jetzt an Weihnachten feiern wir, dass Gott an keine Kontaktbeschränkung gebunden ist.

Setz‘ die Segel!

Ja, setz‘ die Segel, gerade jetzt in einer Zeit, in der so viele die Segel streichen, der Flaute nachgeben, stillstehen.

Nicht nur durch die beunruhigenden Zahlen der Pandemie, sondern auch in der Stille des Novembers, wenn die Tage so kurz werden, Dunkelheit und Trauer die Tage bestimmen.

Und mittendrin dieses Jahr die Firmung unserer Jugendlichen.
Setz‘ die Segel, stell ein Licht in deinem Lebensboot auf, das man von weitem sieht.
Das muss nicht mal groß sein, denn

Ein winzig kleiner
Ein ganz schwacher
Ein Funke des Vertrauens
Ein Funke des Verstehens
Ein Funke der Liebe
Ein Funke der Menschlichkeit reicht aus
Und Feuer kann sich entzünden – Blitzschnell, unaufhaltsam

Bei dem, der sich schon verabschiedet hat
Bei der, die sich nach tieferem Sinn sehnt
Bei denen, die einfach nur cool sein wollenBei denen, die angesprochen werden wollen

Und lichterloh brennen
An vielen Stellen – An unzähligen Orten

Durch Menschen, die ihre Begabungen einsetzen
Durch Menschen, die ihre Mitmenschen im Auge behalten
Durch Menschen, die sich für den Frieden stark machen
Durch Menschen, die Verantwortung übernehmen

Und alles kann in Flammen stehen
Riesige Brandherde
Nicht mehr zu löschen:

Jugendliche, die sich in Freizeiten für die Kinder engagieren
Kinder, die andere Kinder mitziehen zu Aktionen
Frauen und Männer, die ihre Fragen und Zweifel bezüglich ihres Glaubens zum Ausdruck bringen
Eine Gemeinde, die offen ist für Neuerungen und Veränderungen.
Eine Gemeinde, die sich vom Heiligen Geist zur Kreativität berufen lässt,
in allen Zeiten ihre Segel zu setzen und Lichtbringer in der Welt zu sein.

(Andreas Greis nach einem unbekannten Verfasser)

Leben wie im Bilderrahmen

Leben in Corona-Zeiten ist wie Leben im Bilderrahmen. Wir sind mit so vielen Menschen über Videotelefonie oder Video-Konferenzen verbunden, Gottesdienste feiern viele noch über den Livestream mit – und so viele sehnen sich nach der persönlichen Begegnung.

Das ist wie ein Bilderrahmen. Ich habe zuhause und im Büro viele Fotos hängen von den Menschen, die mir im Leben wichtig sind, mit denen ich tolle Sachen erlebt habe: Meine Freunde aus der Studienzeit, Menschen aus meinen früheren Arbeitsstellen oder auch von hier, Fotos von meinen Eltern und Schwestern,… Die Fotos sind schön gerahmt und hängen an der Wand oder mein digitaler Bilderrahmen steht im Büro auf dem Schreibtisch.

Ich mag Fotos, weil sie mich mit den Menschen verbinden, die ich darauf sehen kann. Und doch sind sie nur eine Momentaufnahme. Wenn ich mit diesen Menschen zusammen bin, ist es was ganz anderes, als wenn ich sie nur auf den Fotos in Erinnerung habe. Außer der Erinnerung lebt da nichts, ich bekomme keine Geste oder Mimik zu sehen. Ich bin froh, die Fotos zu haben, aber das reale Treffen können sie nicht ersetzen. So wie Onlineschooling, Videokonferenzen und Livestreams auch nicht die persönliche Begegnung, das gemeinsame Spielen der Kinder,…  ersetzen können.

Und das finde ich gilt auch für Gott. Alle Bilder, die ich mir von Gott mache, sind nur ein Ausschnitt von ihm, begrenzt durch meine Wahrnehmung. Sie können und wollen die echte Begegnung mit Gott nicht ersetzen, weil Gott schon immer die lebendige Begegnung will und sich eh nicht in einen Rahmen an die Wand hängen lassen will. Er will Begegnung mit jeder und jedem einzelnen! Dann kann es wirklich lebendig werden!

Bleiben wir momentan noch geduldig im Rahmen, dass unsere Sehnsucht nach echter, wahrer Begegnung bald wieder erfüllt werden möge!

Andreas Greis nach Gedanken von Andrea Schwarz

NUR FÜR HEUTE …

Die Fastenzeit möchte uns einladen in diesen Tagen, unser Leben bewusst in den Blick zu nehmen.

Immer öfter geraten wir durch ein ungesundes Leben mit zu viel Stress und zu wenig Erholung in die Gefahr, Leib und Seele zu vernachlässigen. Da kann die Fastenzeit eine gute Gelegenheit sein, dem entgegenzuwirken. Denn Fasten bedeutet nicht nur Verzicht. Fasten bedeutet vielmehr das eigene Leben ganz bewusst wahrzunehmen und ihm so mehr Qualität zu schenken.

Was tut mir gut? Worauf kann ich getrost verzichten? Wo begegne ich Gott?

Ein Fastenkalender kann dabei eine Hilfe sein. Ebenso die Gebote der Gelassenheit von Papst Johannes XXIII., die durch ihre Schlichtheit überzeugen. Sie geben mit wenigen Worten eine Anregung für jeden Tag. „Nur für heute werde ich …“

Wer möchte kann so zum klassischen Verzichten auch die Sätze „heute freue ich mich an“ oder „heute achte ich auf“ weiterentwickeln. Die ganz Eifrigen dürfen sich natürlich auch alle drei Vorsätze zu Herzen nehmen.

Und noch ein kleiner Hinweis. Die Sonntage sind keine Fastentage. Am Tag des Herrn, braucht nicht gefastet zu werden, denn jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest.

Vikar Mathias Michaelis

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