Aller guten Dinge sind drei

An den Kar- und Ostertagen spielt die Zahl 3 eine große Rolle: Es sind die 3 Tage Gründonnerstag – Karfreitag – Osternacht, welche wir als Höhepunkt unseres Christ-seins und des gesamten Kirchenjahres erachten, begehen und feiern. Dabei weisen die Zahlen in der Bibel auf eine tiefe Symbolik hin: Die Zahl 1 steht für die Einheit, die noch keinen Unterschied kennt. Es ist die symbiotische Einheit des Säuglings mit seiner Mutter, wo noch alles hell, warm und schön ist. Manche Formen der Meditation wollen in dieser Ur-Harmonie verharren und nicht den Schritt in den Unterschied wagen, welcher mit der Zahl 2 symbolisiert wird. Die 2 steht dafür, dass wir verschieden und uns bisweilen fremd sind. Sie bezeichnet auch das Schwierige und Unbegreifliche in unserem Leben: Das Leid des Karfreitags ist der Inbegriff der 2 mit all dem, was wir nicht mehr auf die Reihe bekommen, weil es unser Verstehen übersteigt. Der zweite Tag des Karfreitags erinnert uns daran, dass es keine Hoffnung auf ewiges Leben gibt, ohne dass der Tod durchschritten und seiner gedacht wird. Jesus war tot und wurde begraben – nur deshalb konnte er von den Toten auferweckt werden. In der großen Not der gegenwärtigen Pandemie ist es tröstlich, dass Gott selbst in seinem Sohn Jesus Christus in all das Dunkel, welches uns derzeit umgibt, hineingestiegen ist. Ohne diesen Einstieg in unser Leid würde Gott den Einstieg in unsere Herzen verpassen, dann wäre das Evangelium billige Vertröstung statt echten Trostes.

Die Zahl 3 steht dafür, dass es dabei nicht bleibt: Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der in seiner Geburtsstadt Stuttgart und beim Studium in Tübingen die Karwoche jeweils mitfeierte, spricht von der „Negation der Negation“, ähnlich wie in der Mathematik: Minus + Minus = Plus. Gott hat in Jesus die „Negation“, die Ansammlung aller negativen Energie dieser Welt, auf sich genommen und mit seiner unermesslichen Glut der Liebe so durchglüht, dass das/unser Negative(s) in neues Positives, in österliches ewiges Leben verwandelt wurde. Die Bibel sagt: Am dritten Tag nach seinem Tod ist Jesus von den Toten auferstanden. Aber dauerte es wirklich drei Tage von der Kreuzigung bis zur Auferstehung? Was aber hat es mit den drei Tagen auf sich?
 
Beim Propheten Hosea im Alten Testament heißt es: „Auf, lasst uns zum Herrn zurückkehren! Denn er hat gerissen, er wird uns auch heilen; er hat verwundet, er wird uns auch verbinden. Nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück, am dritten Tag richtet er uns wieder auf und wir leben vor seinem Angesicht. Lasst uns ihn erkennen, ja lasst uns nach der Erkenntnis des Herrn jagen! Er kommt so sicher wie das Morgenrot; er kommt zu uns wie der Regen, wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt” (Hos 6,1-3). In diesen Worten blicken die Zeitgenossen des Hosea in eine tiefe Depression der Geschichte Israels, einen selbstverschuldeten Untergang – am dritten Tag kommt die Wende und sie schauen heraus aus dem Loch der Verzweiflung auf das Morgenrot eines neuen Tages, den Gott schenken wird. Der dritte Tag führt vom Tod zum Leben. Auch wenn es hier nicht um die Auferstehung Jesu geht, so hat Hosea sinngemäß doch etwas mit der Auferweckung Jesu zu tun. In der Welt der Antike gilt jemand als irreversibel tot, wenn er drei Tage im Grab liegt; wenn sich nach drei Tagen immer noch nichts gerührt hat, wird nichts mehr passieren. Deshalb heißt es bei Lazarus, dass er schon “vier Tage” im Grab lag, als Jesus endlich eintrifft (Joh 11,4) – zu spät, wie es nach menschlichem Ermessen scheint, aber gerade richtig für Gottes Timing der Auferweckung von den Toten.
 
Für uns heißt das gegenwärtig: Auch da, wo wir nicht „drüber hinaussehen“, wo wir dem Dunkel von Leid und Ungewissheit begegnen, dürfen wir mit ganzem Herzen damit rechnen, dass der „dritte Tag“ kommt und Gott uns eine neue und noch schönere Zukunft schenken wird. Es gibt keinen Tod, der nicht ins Licht der Auferstehung getaucht ist.

Alois Krist

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