Fastenzeit – Gewohnheiten überdenken, Innehalten zum Neustart

Früher als Kind war die Fastenzeit für mich schrecklich: Keine Süßigkeiten von Aschermittwoch bis Ostern. Ich gebe zu, die ersten Tage sind für mich immer noch eine Herausforderung, aber dann geht’s immer besser.

In den letzten Jahren habe ich mich davon gelöst, das als Verzicht zu empfinden. Vielmehr ist die Fastenzeit für mich ein Überdenken von Gewohnheiten, die sich im Lauf des Jahres angehäuft haben, ja, oft auch ein Überdenken der Arbeitsbelastung – Was wurde zum Ballast, was will neu oder anders werden?

„Ich dreh mich im Kreis, meine Gedanken rennen. Ich sollte am besten an zwei Orten gleichzeitig sein, jeder will was von mir, ich weiß nicht mehr, wo hinten und vorne ist. Kann mich bitte jemand mal anhalten?“ So ähnlich hört es sich doch immer wieder an.

Wir sind oft so verplant und von unserem Alltag gefesselt, dass wir dann mit unverhofft geschenkter Zeit kaum was anzufangen wissen. Und wie klingen da die Worte aus dem Buch Kohelet, dass alles seine Zeit hat:

Das Geborenwerden und das Sterben, das Pflanzen und das Ernten, das Bauen und das Niederreißen, das Weinen und Lachen, das Klagen und das Tanzen … ja, auch das Arbeiten und das Ausruhen.

Vielleicht schaffen wir es ja, ganz bewusst in dieser Fastenzeit wenigstens 10 Minuten am Tag Zeit zu haben für uns selbst: Um einem Gedanken nachzuhängen, eine gute CD zu hören, ein tolles Buch zu lesen, im Zimmer einfach so zu tanzen, die Natur betrachten, bewusst nichts tun, oder auch Zeit für ein Gebet zu haben, um innerlich neue Kraft zu bekommen.

Zehn Minuten für dich, für Gott – ich wünsche es uns allen.

(Andreas Greis)

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