Weihnachten – Gott in Kontakt mit uns

Inmitten der Coronapandemie leiden wir alle unter den Kontaktbeschränkungen, die zwar zum gegenseitigen Schutz notwendig sind, uns zugleich jedoch im Lebensnerv treffen. Wir spüren im Mangel, wie sehr wir einander brauchen und wie sehr uns Kontakte zu lieben Menschen fehlen. Jetzt an Weihnachten feiern wir, dass Gott an keine Kontaktbeschränkung gebunden ist. Wenn er in seinem Sohn einer von uns geworden ist, geht die Kontaktaufnahme so weit, dass im Kind in der Krippe von Bethlehem seine Liebe zu uns nicht nur Hand und Fuß bekommen hat, sondern dass er uns sogar unter die Haut geht. „Das Wort ist Fleisch geworden – Gottes Sohn wird einer von uns“. Seither ist Gott für uns nicht nur ein Gegenüber, sondern uns innerlicher als wir uns selbst sind. Der Theologe Karl Rahner hat dies so formuliert: „Gott hat sein letztes, tiefstes, schönstes Wort im fleischgewordenen Wort in unsere Welt gesagt. Und dieses Wort heißt: Ich liebe dich, du Welt, du Mensch. Ich bin da: Ich bin bei Dir. Ich bin dein Leben. Ich bin deine Zeit. Ich weine deine Tränen. Ich bin deine Freude. Fürchte dich nicht. Wo du nicht weiter weißt, bin ich bei dir. Ich bin in deiner Angst, denn ich habe sie mitgelitten. Ich bin in deiner Not und in deinem Tod, denn heute begann ich mit dir zu leben und zu sterben. Ich bin in deinem Leben und ich verspreche Dir: Dein Ziel heißt Leben.“ Weil Gott an Weihnachten in unser Leben tritt, ist nun kein Ort der Welt mehr Gott-los, kein Abgrund mehr Gott-leer, kein Menschenleben Gott-fern. Gott ist mit uns, was auch kommt.

Der Heilige Franz von Assisi hat sich davon 1223 n. Chr. so berühren lassen, dass er das Krippenspiel erfand. Mit den armen Bauern im Rietital samt deren Familien wollte er die Liebe Gottes konkret im Hier und Heute zur Aufführung bringen und erfahrbar machen. Das Krippenspiel sollte keine Folklore sein, sondern verdeutlichen, dass Gottes Kontakt mit den Menschen diese untereinander in liebender Achtsamkeit und gegenseitiger Wertschätzung neu in Kontakt bringt und auch des Menschen Kontakt zu den Tieren und zur gesamten Schöpfung in einem vertieften Wir-Gefühl neu knüpft. Seit Weihnachten gibt es nur noch Brüder und Schwestern und eine Welt. Das göttliche Kind schweißt uns inmitten aller Trennungen zu einer in ihm vereinten Familie zusammen, auch wenn die Differenzen bleiben. An uns ist es, die in diesem Jahr möglichen Formen des weihnachtlichen Kontakts auszuloten. Warum nicht intensiv telefonieren, Freunde und Bekannte anrufen – und auch Menschen, die niemand anruft? Warum nicht die diesjährige Weihnachtspost ausweiten – und persönliche Worte finden, welche den Empfängern ins Herz hineinsprechen und sie in ihrer Einmaligkeit und Kostbarkeit treffen? Gleichsam wie Gott sich selber mitteilen statt sich in Worthülsen zu ergehen. Warum nicht die Bilder der Verwandten zu den Figuren der Weihnachtskrippe hinzugesellen und für sie den Segen des göttlichen Kindes erbitten? Dies ersetzt sicher nicht die leiblichen Kontakte, vermag das Weihnachtsfest unter erschwerten Bedingungen jedoch mit einem geweiteten und vertieften Blick zu sehen.

Pfarrer Alois Krist

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