Weihnachtsbrief

Liebe Schwestern und Brüder,

in ihrem Buch „Rückkehr zur Liebe“ schreibt Marianne Williamson: „Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind, unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind. Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit. Wir fragen uns: ‚Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, begnadet, fantastisch sein darf?‘ Wer bist du denn, es nicht zu sein? Du bist ein Kind Gottes. Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht. Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du schrumpfst, damit andere um dich herum, sich nicht verunsichert fühlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in uns ist. Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen. Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun. Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben, wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun andere befreien.“

An Weihnachten feiern wir, dass der Stall von Bethlehem nicht von außen durch Scheinwerfer angestrahlt wird, sondern von innen her, vom göttlichen Kind her, leuchtet. Gott begibt sich mitten hinein in das Dunkel unserer Welt und zündet ein Licht, sein Licht, an. Weihnachten übergeht nicht die Schattenseiten unseres Lebens und unserer Welt. Vielmehr leuchtet das Licht Gottes inmitten der Finsternis. Das Bild von Regine Martin zeigt, dass das strahlende Kind für Maria und Josef zur Lichtquelle wird. Ihre Gesichter beginnen zu leuchten, obwohl ringsum alles dunkel ist. Wir werden in das hinein verwandelt, was wir anschauen: Schauen wir auf das Dunkel, verfinstern sich mit unserem Gesicht auch unsere Gedanken; schauen wir auf Jesus Christus, verwandelt sich unser Gesichtsausdruck in Licht. Die Macht des Lichtes bewirkt, dass alle, die sich auf das „Licht des Lebens“ ausrichten, unermesslich machtvoll sind. Im Weihnachtsevangelium bei Johannes heißt es: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu sein…allen, die aus Gott geboren sind“. Irdisches Machtgebaren will alle Macht auf sich selbst konzentrieren, während Gott seine Macht, sein Licht, mit uns teilt, so dass wir aus seiner Lichtkraft heraus selber zur Lichtquelle werden. Seit Weihnachten ist die Herrlichkeit Gottes nicht nur im Himmel, sondern auch in uns -wir sind Gottes Herrlichkeit! Eine größere Würde kann uns nicht zugesprochen werden.

An Weihnachten sind wir herzlich eingeladen, uns vom göttlichen Kind neu anstrahlen zu lassen und in seinem Lichtkegel uns je persönlich neu zusprechen zu lassen: „Ich bin unermesslich machtvoll. Ich darf leuchtend, begnadet, fantastisch sein. Ich darf mein eigenes Licht erstrahlen lassen, ohne mich mit anderen vergleichen zu müssen. Ich bin ein Kind Gottes. Ich wurde geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in mir ist. Ich darf wachsen, ich darf groß sein, damit die anderen um mich herum sich eingeladen wissen, ebenso groß zu sein“. Leben aus meiner geschenkten Lichtkraft heißt dann: Die Welt mit Jesu Augen anschauen, sein Licht verbreiten. Ein solcher Licht-Blick, ein Augenblick des Hinsehens, zündet in meinem Nächsten neues Leben. Die Aufmerksamkeit, die ich jemandem schenke, lässt neue Lebendigkeit im anderen aufleuchten – und lässt mich spüren, dass das Licht durch mich hindurchfließt, dass ich reich bin und anderen etwas zu geben habe. Die positive Erwartungshaltung gegenüber dem, den ich bereits abgeschrieben habe, lässt das Gute in ihm zum Vorschein bringen. Das Unerwartete und Unvorhersehbare an Weihnachten, welches alle Planungen über den Haufen wirft, kann die große Chance sein, das Einerlei zu durchbrechen, so dass plötzlich etwas Neues aufblitzt, man sich gegenseitig in die Augen schaut und zu lachen anfängt über den sich selber bereiteten Weihnachtsstress. Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!                                                                      

Ihr Pfarrer Alois Krist 

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