Kirchengemeinde zur heiligsten Dreieinigkeit Ludwigsburg

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Gottes Rettung – unser Mittun

06.08.18 (Gemeinde aktuell)

Auf unerträgliche Weise verstoßen in diesen Tagen Einzelpersonen, Politiker und ganze Staaten gegen die Menschenwürde und die Pflicht zur Rettung Schutzbedürftiger. Getragen von einer verderblichen Mischung aus Egoismus und Skandalgier schreiben und schreien viele die Parolen rechter Hetzer nach. Mittlerweile werden Seenotretter als Verbrecher angeklagt, mit dem heuchlerischen Vorwurf, sie würden durch ihren Rettungsdienst Menschen erst zur Flucht animieren. Selbst wenn es diesen sogenannten „Push-Faktor“ gäbe – es gibt ihn, wissenschaftlich erwiesen, nicht – bliebe doch nichts anderes, als Menschen in Lebensgefahr zu helfen. Wer wäre auf die abstruse Idee gekommen, die jugendliche Fußballmannschaft, die in Thailand in einer Höhle vom Wasser eingeschlossen war, dort nicht zu retten, um ein Exempel zu statuieren, dass man nicht unbegleitet und ungesichert in unbekannte Höhlen geht? Es war immer christliches Grundwissen, dass Menschen selbst dann noch geliebte Geschöpfe Gottes sind – und als solche unbedingt schutzwürdig – wenn sie sich leichtsinnig in Gefahr gebracht haben. Die Botschaft von der Nächstenliebe zwingt Christen geradezu zum Einsatz – der wohlgemerkt nicht blauäugig naiv sein darf. Die herbeigeredete Überforderung Europas ist aber, solange auf einen Geflüchteten 500 Europäer kommen, schlichte Propaganda, der immer mehr Christen widersprechen. Es ist daher auch kein Wunder, dass gerade im Wahlprogramm der AFD zu lesen ist, die  Kirchen wären eine „Lobbygruppe“, der dringend alle Gelder zu kürzen seien.

Papst Johannes XXIII. hat in seiner Eröffnungsrede des Zweiten Vatikanischen Konzils prophetische Worte gesprochen, die heute fast noch passender klingen, als vor über 50 Jahren: „In der täglichen Ausübung Unseres apostolischen Hirtenamtes geschieht es oft, dass Stimmen solcher Personen unser Ohr betrüben, die zwar von religiösem Eifer brennen, aber weder genügend Sinn für die rechte Beurteilung der Dinge noch ein kluges Urteil walten lassen. Sie meinen nämlich, in den heutigen Verhältnissen der menschlichen Gesellschaft nur Untergang und Unheil zu erkennen. Sie reden unablässig davon, dass unsere Zeit im Vergleich zur Vergangenheit zum Schlechteren abgeglitten sei. […] Wir aber sind völlig anderer Meinung als diese Unglückspropheten, die immer das Unheil voraussagen, als ob die Welt vor dem Untergang stünde. In der gegenwärtigen Entwicklung der menschlichen Ereignisse, durch welche die Menschheit in eine Ordnung einzutreten scheint, muß man viel eher einen verborgenen Plan der göttlichen Vorsehung anerkennen. Dieser verfolgt mit dem Ablauf der Zeiten, durch die Werke der Menschen und meistens über ihre Erwartungen hinaus sein eigenes Ziel, und alles, auch die entgegengesetzten menschlichen Interessen, lenkt er weise zum Heil der Kirche.“ (Papst Johannes XXIII, Gaudet Mater Ecclesia, Ansprache zur Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils)

Obwohl also Hetzer und Unglückspropheten das Wort führen, traut Papst Johannes XXIII. Gott zu, dass Er eine Heils-Geschichte mit den Menschen vorhat. Dass Er – sogar trotz Egoismus, Unehrlichkeit und Gewaltbereitschaft – die Menschheit zu einem guten Ziel hin führt. Dass Er uns aus dem „Meer der Sünde“ ans sichere Ufer der Ewigkeit rettet. Wenn das so ist, dann können wir Christen nicht bloß klar die Unglückspropheten benennen und ihnen in Wort und Tat widerstehen. Dann können wir das sogar in großer Ruhe tun, ohne dass uns der ständige Psychoterror der rechtsextremen Aufstachler in Verzweiflung stürzen muss. Christlicher Widerstand motiviert sich nicht aus der Angst um die Welt, sondern aus der Hoffnung auf Gottes Gnade von Christus her, der uns aufgerufen hat, Mitarbeiter*innen bei der Erlösung und Rettung der Menschheit zu sein. (Vikar Peter Hohler)